Sozialstation unterm Dach der Friedenswarte
Festakt Betriebsübergang aus wirtschaftlichen Gründen unvermeidliche - Überkonfessionell wirken
Artikel aus Rhein-Lahn-Zeitung vom Donnerstag, 20. Januar 2011 von Jürgen Heyden
Bad Ems. Mit einem Festakt im Georg-Vömel Haus ist jetzt der Betriebsübergang der "Kirchlichen Sozialstation Bad Ems-Nassau" in die Stiftung Diakoniewerk Friedenswarte gefeiert worden. Unter dem neuen Namen "Friedenswarte unterwegs" werden die Ambulanten Dienste künftig die 1977 begonnene Arbeit fortsetzen.
Dr. Manfred Unglaub, Vorsitzender des Kuratoriums, begrüßte nach einer Messe die Gäste im voll besetzten Festsaal des Georg-Vömel-Hauses. Unglaub erinnerte an das Wort Heiner Geißlers, des Initiators der Sozialstationen, anlässlich eines Geburtstags einer solchen Einrichtung: "Es ist ein Glück, dass es sie gíbt, weil sie die Botschaft des Evangeliums verbreiten. Nächstenliebe ist die Botschaft und der Auftrag des Evangeliums."
1977, als diese überkonfessionelle Sozialstation in der Trägerschaft der evangelischen Kirchengemeinde sich gründete, musste auch ein Förderverein entstehen, der die materielle Unterstützung übernehmen sollte. "Ein Mitbegründer dieses Förderverein - und bis heute dessen Vorsitzender - ist der ehemalige Bad Emser Stadtbürgermeister Ottmar Canz", sagte Unglaub.
An die "Helden des Alltags", Mitarbeiter der Sozialstation, die täglich 120 Menschen im Bereich der Verbandsgemeinden Bad Ems und Nassau betreuen, erinnerte Verwaltungsdirektor Axel Urban. Die Diakonissen Gertrud Fritsche und Christel Oeser haben seit 1977 viele Jahre die Verantwortung getragen. Seit 01. Januar sei nun die "Friedenswarte unterwegs". Dieser Schritt sei nach gravierenden wirtschaftlichen Problemen fällig gewesen, sagte Urban. Ohne einen Trägerwechsel hätte die Schließung der Station gedroht. In langen Verhandlungen, in denen viele offene Fragen zu klären waren, sei es gelungen, mit nur einer Ausnahme alle Mitarbeiter unter das Dach der "Friedenswarte" zu übernehmen. Canz erinnerte an die vielen Jahre eines gemeinsamen Weges. "Wir sind damals über das Land gefahren und haben Mitglieder geworben. Mit dieser Unterstützung konnten wir uns den neuen Herausforderungen stellen", erklärte Canz. "Heute werden wir alle älter. Das ist schön, bringt aber auch neue Herausforderungen in der Zukunft."
Der Emser Stadtchef Berny Abt konnte aus eigener familiärer Erfahrung berichten, in der er die Bedeutung und Hilfe dieser Einrichtung erlebt habe. Dieser wichtige soziale Dienst, der seit Jahrzehnten in den Verbandsgemeinden Bad Ems und Nassau angeboten werde, sei leider für viele Menschen oft der einzige Kontakt, bedauerte Udo Rau, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Nassau. Doch wie eine Kerze, die einmal größer oder kleiner sein könne, bringe sie manchmal kürzer oder länger Wärme und Licht zu den Patienten.
Der Mensch steht im Mittelpunkt
Trägerwechsel Kirchliche Sozialstation gehört ab Januar zum Diakoniewerk Friedenswarte
Artikel aus Rhein-Lahn-Zeitung Nr. 285 vom Mittwoch, 08. Dezember 2010
von Jürgen Heyden
Bad Ems. "Friedenswarte Unterwegs" heißt es ab dem 01. Januar 2011. Von diesem Datum an gibt es alle Pflege- und Betreuungsleistungen der Stiftung Diakoniewerk Friedenswarte nun auch zu Hause: Denn die bisherige Kirchliche Sozialstation Bad Ems - Nassau kommt unter die Fittiche der Friedenswarte.
Mit der Übernahme der Trägerschaft verliert die 1977 gegründete Sozialstation ihre Eigenständigkeit in der evangelischen Kirchengemeinde. Unter der Leitung der Diakonisse Schwester Gertrud Fritsche nahmen damals sieben Schwestern und ein Zivildienstleistender ihre Arbeit der häuslichen Pflege auf. Zur Gründungsfeier im Oktober 1977, war neben vielen anderen Gästen auch der damalige Sozialminister Heiner Geisler in das Georg-Vömel-Haus gekommen. Noch im gleichen Jahr gründete sich ein Förderverein.
1989 übernahm Schwester Christel Oeser die Leitung und 1994 zog die Sozialstation vom Schwesternwohnheim, dem jetzigen Mutterhaus, in das Alte Rathaus um. Seit 1995 wird die Einrichtung durch die "Zivilkraft" Schwester Ursula Grommisch geführt. Im Jahre 1995 erfolgte die Anerkennung als Ambulantes Hilfezentrum, und ein Jahr später folgte die Einrichung der Beratungs- und Koordinierungsstelle. Geprägt von permanentem Wachstum hatte die Sozialstation 2002 15 Pflegekräfte, eine Fachhauswirtschafterin, einen Diplom-Sozialarbeiter und zwei Verwaltungsmitarbeiterinnen.
Durch die Übernahme der Trägerschaft für die Kirchliche Sozialstation Bad Ems - Nassau betritt die Stiftung Friedenswarte Neuland. Bisher ist die Stiftung in Bad Ems mit dem Georg-Vömel-Haus und in Nassau mit dem Haus Hohe-Lay seit vielen Jahren erfolgreich tätig. Unter der Bezeichnung "Friedenswarte Unterwegs" baut sie nun den Sektor der mobilen Unterstützung im häuslichen Bereich aus. Das Angebot könnte vielfältiger nicht sein. Zum ambulanten Dienst gehören neben zwölf examinierten Pflegefachkräften auch Mitarbeiter der Hauswirtschaft, Betreuungsfachkräfte und der Pflegestützpunkt (ehemals Beratungs- und Koordinierungsstelle) in Bad Ems.
Neben den klassischen Diensten in der Pflege älterer Menschen oder medizinischen Behandlung kann auch die Beschäftigung demenziell veränderter Menschen zu Hause angefordert werden. Therapeutische Maßnahmen wie Gedächtnistraining und Biografiegespräche oder einfach ein schöner Spaziergang unterstützen pflegende Angehörige ebenso wie eine Hilfe im Haushalt, die beim Saubermachen, bei Einkäufen oder beim Zubereiten der Mahlzeiten zur Hand geht.